Weiterverhandeln statt Beschäftigten Angst einjagen!

HAUStarifvertrag = gute und nachhaltige Arbeitsbedingungen

Nach dem Affront der letzten Woche war die gestrige Mitgliederversammlung eine gute Gelegenheit, um uns zu vergewissern, wo wir stehen und wie es jetzt weitergeht.

Wir erinnern uns: Auch die Verhandlung am 10.02.20 entpuppte sich als Nicht-Verhandlung, statt eines inhaltlichen Austauschs über die vereinbarten Themen bekam die Tarifkommission ein „Friss oder stirb“-Angebot mit Ultimatum serviert. Bei dem dann von der Geschäftsführung länger geplanten aber kurzfristig einberufenen Mitarbeitertreffen konnten sich alle Anwesenden ein Bild davon machen, wie blank die Nerven bei unserem Arbeitgeber derzeit liegen. Dies zeigt einerseits, dass unser Engagement und unsere Geschlossenheit der letzten Wochen durchaus Eindruck gemacht haben. Darauf weiß uni-assist aber leider offenbar nur mit Botschaften zu reagieren, die Ängste und Zwietracht unter den Beschäftigten schüren sollen.

Umso wichtiger war es gestern für die zahlreich erschienen Kolleg*innen, im ersten Teil der Mitgliederversammlung, der auch den nicht organisierten Beschäftigten offen stand, einen ausführlichen Überblick darüber zu bekommen, was das jetzt auf dem Tisch liegende Angebot von uni-assist enthält und wo genau die Unterschiede zum Entwurf der Tarifinitiative liegen. Hier noch einmal die Gegenüberstellung in tabellarischer Form:

Vergleich Inhalte ver.di_uni-assist

Kurz zusammengefasst: Abgesehen von der VBL, die nun auf unseren Druck hin in das Angebot der Arbeitgeberseite voll mit aufgenommen wurde, wäre das Angebot in sämtlichen Punkten ungünstiger für die Beschäftigten als unser Entwurf, was sich finanziell für jeden einzelnen ganz konkret beziffern lässt. Und zu so wichtigen Themen wie der Eindämmung von Befristungen (betrifft derzeit mindestens 26 Kolleg*innen außerhalb der Saison) enthält das Angebot ja bekanntermaßen überhaupt keine Lösungsansätze.

Viele Fragen, die bei Kolleg*innen in den letzten Tagen aufgekommen sind, hat die Personalleitung bisher auch auf Nachfrage nicht klären können, so zum Beispiel, ob bei Beschäftigten mit Anlehnung an TVöD Bund, bei denen der nächste Stufenaufstieg am 1.9.2020 erfolgen würde, also genau einen Tag nach dem vorgesehen Überleitungsdatum in den TV-L, eine spätere Überleitung möglich wäre, um besonders negative Effekte auf die Abschmelzung der Zulage zu vermeiden. Fraglich bleibt auch, ob bisher nicht angerechnete Beschäftigungszeiten (z.B. bei Lückenverträgen) bei einer künftigen Überleitung in TV-L für den Stufenaufstieg berücksichtigt werden könnten, und ob eine Abgruppierung in eine niedrigere Gehaltsgruppe ausgeschlossen wäre. Der Entwurf der Tarifinitiative ist dagegen in all diesen Fragen sehr klar und konsequent arbeitnehmerfreundlich. Das gilt ebenfalls für die Lückenverträge, die in unserem Entwurf entfristet werden sollen. Nach letzten Aussagen der Personalleitung in Einzelgesprächen sollen diese nach Willen des Arbeitgebers auf echte Saisonverträge runtergefahren werden, auf die man sich immer neu bewerben soll.

Im zweiten Teil der Versammlung ging es dann darum, welche Konsequenzen wir als Beschäftigte aus dieser Situation ziehen. Die Wortmeldungen ließen keinen Zweifel: Es besteht aus Beschäftigtensicht nach wie vor Verhandlungsbedarf in so gut wie allen Punkten. Die Verbindung des ersten (!) Angebots, das überhaupt seit Beginn der eigentlichen Tarifverhandlungen vorliegt und auf Teile unserer Probleme eingeht, mit der Drohgebärde, das sei jetzt aber das ultimative und letzte Angebot, wird überwiegend als zynisch gewertet – gerade auch angesichts der bisherigen Verhandlungshistorie, die nicht von Gesprächsbereitschaft bezüglich der Probleme der Belegschaft geprägt war.

Bereits am kommenden Montag, 24.02.20 um 15:30 Uhr treffen wir uns zu einer weiteren Mitgliederversammlung, um gemeinsame Entscheidungen zum weiteren Vorgehen zu treffen. Je mehr Kolleg*innen kommen, desto besser.

Wer noch nicht Mitglied ist, kann es natürlich jederzeit werden.

Eines hat die gestrige Mitgliederversammlung klar gezeigt: Wenn die Strategie der Arbeitgeberseite es ist, uns zu spalten, dann ist sie bisher gründlich danebengegangen. Bisher haben unsere Aktivitäten dazu geführt, die unwürdige Lohnsituation unserer Kolleg*innen in der Logistik und im Bewerberservice überhaupt zu adressieren. Hier sollten schon Ross und Reiter benannt werden: uni-assist e.V. hat 15 Jahre lang Lohndumping betrieben, wir setzen uns solidarisch mit Kolleg*innen aus Logistik und Bewerberservice für einen Tarifvertrag ein. Dieser sollte aber eben auch die Probleme anderer Abteilungen und Beschäftigtengruppen adressieren – mit dem aktuell vorliegenden Angebot würden wir die Befristeten bei uni-assist e.V. auf der Strecke lassen.