Ausweitung unseres Aktionsradius

Auswärtsspiel am 3. Streiktag

Nach zwei bereits sehr arbeitsintensiven Tagen in Berlin war der heutige Donnerstag, 30.01. der vorerst krönende Abschluss unserer jüngsten Warnstreikwelle. Aufgeteilt in zwei Gruppen ist unsere Belegschaft nach Dresden und Magdeburg ausgeschwirrt, um noch intensiver mit Kolleg*innen und Leitungsebenen unserer Mitgliedshochschulen ins Gespräch zu kommen, getreu unserem Ansatz einer transparenten Kommunikation mit allen beteiligten Seiten.

 

Magdeburg

Auch die Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg ist ein Mitglied des Vereins uni-assist – Grund genug für einen Besuch, aber noch lange nicht der einzige!

Schon im Vorfeld hatten wir ein Gespräch mit dem Vorsitzenden des Personalrats der OVGU, Herrn Ulrich Busse, vereinbart, um über Hintergründe, Entwicklung und Stand unseres Arbeitskampfs zu informieren. Zudem wollten wir direkt vor Ort versuchen, den Rektor der Otto-von-Guericke-Universität Magdeburg, Prof. Dr.-Ing. Jens Strackeljan, für einen Austausch mit den Kolleginnen und Kollegen von uni-assist zu gewinnen. Prof. Dr.-Ing. Strackeljan ist seit Kurzem auch Vorstandsvorsitzender von uni-assist e.V., womit ihm eine wichtige Rolle für die weitere Entwicklung des Vereins zukommt. Und nicht zuletzt wollten wir auf dem Campus Präsenz zeigen und weitere sich dort ergebende Gesprächsmöglichkeiten nutzen.

Vom Bahnhof Magdeburg-Neustadt ging es direkt zum Rektorat der OVGU, wo eine Abordnung unserer Gruppe beim Büro von Prof. Strackeljan um ein Gespräch anfragte. Und siehe da: Prof. Strackeljan öffnete uns ohne Zögern die Tür zu seinem Büro und bat uns, unser Anliegen vorzubringen. Interessiert und geduldig wurden unsere Argumente und Ausführungen zum stagnierenden Verhandlungsstand angehört.

Prof. Strackeljan warb um Verständnis dafür, dass die angestoßenen Prozesse zur finanziellen Konsolidierung des Vereins Zeit in Anspruch nähmen und daher vieles noch nicht konkret definiert werden könne. Auf die laufenden Tarifverhandlungen könne er keinen Einfluss nehmen, dies stehe allein den Verhandlungsparteien zu. Vor Aussagen irgendwelcher Art müsse die Entscheidung der Mitgliederversammlung abgewartet werden. Er warb für einen respektvollen Austausch und einen offenen Dialog zwischen allen Beteiligten. Wenig Spielraum sah er in der Frage der Tarifgrundlage und zeigte sich skeptisch gegenüber einer Orientierung am TVöD Bund. Ein Tarifvertrag könne auf jeden Fall nur als Gesamtpaket kommen: „Filetstücke“, wie etwa die VBL, herauszutrennen, komme aus seiner Sicht nicht in Frage. Die Systemumstellung müsse auf einer soliden Grundlage erfolgen, damit uni-assist sich weiterentwickeln und in Zukunft neue Projekte und Perspektiven anvisieren könne. Zum Abschluss unseres Gesprächs luden wir Prof. Strackeljan ein, auch ein Grußwort an die draußen wartenden Kolleg*innen zu richten, was dieser ohne Umschweife annahm.

Eine weitere Abordnung traf sich mit dem Personalratsvorsitzenden Ulrich Busse zum Gespräch. Dabei gab es umfassend Gelegenheit, über den Stand von Arbeitskampf und Verhandlungen zu informieren sowie auf die Arbeitsbedingungen bei uni-assist aufmerksam zu machen. Der Austausch verlief herzlich und konstruktiv. Herr Busse merkte an, es gebe unter den Beschäftigten der Hochschulen, einschließlich denen der OVGU, Unklarheit über die Rolle, ja sogar die Existenz, von uni-assist. Umso mehr tue es deshalb Not, über die Vorgeschichte, die Arbeitsverhältnisse und die Tarifauseinandersetzung bei uni-assist zu informieren und aufzuklären. Er erklärte sich bereit, die Thematik in den Personalgremien der OVGU und anderer Institutionen in Sachsen-Anhalt anzusprechen und auf unsere Initiative hinzuweisen, was wir sehr dankbar annahmen.

In der Zwischenzeit hatten sich einige von uns noch an das International Office sowie die Studierendenverwaltung gewandt. Während der Aktion ergaben sich auch informelle Gesprächsmöglichkeiten mit Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern der OVGU.

 

Dresden

Die mit 20 Kolleg*innen kleinere der beiden Gruppen machte sich auf den Weg nach Dresden und leistete Aufklärungsarbeit an der TU und der HTW.

Zunächst stand ein Termin mit dem Prorektor für Bildung und Internationales an der TU Dresden, Herrn Prof. Krauthäuser, auf dem Programm. Dort hatten wir Raum  in einem sehr netten Gespräch die Situation der Beschäftigten bei uni-assist und die Gründe für unsere Tarifinitiative und die momentanen Streikmaßnahmen ausführlich zu erläutern. Dabei ging es größtenteils um das Thema Befristungen, aber auch unsere weiteren Forderungen, wie die Tarifgrundlage TVöD Bund. In der Frage der Tarifgrundlage wurde der Standpunkt vertreten, dass dies allein zwischen den Tarifparteien verhandelt werden sollte und eigentlich keine Angelegenheit der Hochschulen sei. In Bezug auf die Finanzierung des Vereins wird mit einer Beteiligung durch die Mitgliedshochschulen gerechnet. Es wurde zudem deutlich gemacht, wie wichtig das Einhalten der Exportfristen für die Hochschulen ist.

Mittags hatten wir Gelegenheit uns mit Mitgliedern des Personalrats der TU Dresden auszutauschen und über den Stand unserer Tarifkampagne zu berichten. Interessant war vor allem die Diskussion über die entscheidende Frage der Finanzierung von uni-assist. Wir werden weiterhin in Kontakt bleiben und uns austauschen. Währenddessen statteten einige Kolleg*innen dem International Office einen Besuch ab.

Eine weitere Abordnung sprach mit Frau Terpe, der Leiterin des Akademischen Auslandsamts der HTW Dresden. Auch Prof. Stenzel, der Rektor der HTW, war bei dem Treffen kurz anwesend. Die von uns geschilderte Situation bei uni-assist, insbesondere was die prekären Arbeitsbedingungen und die laufenden Tarifverhandlungen anbelangt, schien eine weitgehend neue Information zu sein, traf aber auf durchaus offene Ohren, so unser Eindruck. Man äußerte uns gegenüber eine hohe Wertschätzung unserer Arbeit und ein klares Bekenntnis zu Mitgliedsbeiträgen. An weiteren Informationen zeigte man sich sehr interessiert und erklärte sich bereit, unser Anliegen auch an andere Mitgliedshochschulen in Sachsen zu kommunizieren.

 

So kehrten wir heute insgesamt zufrieden nach Berlin zurück: Wir hatten uns sowohl mit den Leitungsebenen, als auch den Personalräten und vielen Kolleg*innen an den Hochschulen ernsthaft austauschen können und Gelegenheit gehabt, unsere Argumente in Ruhe vorzubringen. Gleichwohl wurde uns klar, dass auch weiterhin viel Arbeit ansteht.